Lehre

Die Übung der Achtsamkeit

Die Übung der Achtsamkeit, der Konzentration und des tiefen Verstehens ist meine zentrale Übung, die mir selbst viel Freude bringt und die ich Anderen gerne weitergeben möchte.

Einatmend weiß ich, dass ich einatme
Ausatmend weiß ich, dass ich ausatme…..
Bei dieser Übung fangen wir mit ganz einfachen Dingen an, die aber ständig geübt werden müssen, weil sich unser Geist normalerweise in seinen unendlichen Gedankenzügen verliert. Wir halten immer wieder inne und spüren unseren ganzen Körper, alle Empfindungen mit der ganzen Länge der Ein – und Ausatmung.
Beim Gemüseputzen in der Küche, beim Waschbecken putzen im Bad oder beim die Treppe hinaufgehen halten wir unseren Geist bei dem konkreten Vorgang, der gerade statt findet. Das bedeutet: Wir spüren wie wir das Messer halten, wie wir die Karotten schneiden, wir spüren wie wir mit dem Schwämmchen das Becken auswischen, wir spüren unsere Füße, während wir die Treppe hoch steigen……
Dies macht das Gemüseputzen, Becken auswischen, Treppe hochsteigen zu einer Meditation, denn wir sind jetzt mit vollem Bewusstsein dabei und werden immer genauer in unserem Gegenwärtig-Sein.
Wenn wir den Geist so bei dem konkreten körperlichen Vorgang von Augenblick zu Augenblick halten, fängt er an, sich darin zu sammeln, und die üblichen gedanklichen Aktivitäten kommen durch die Konzentration zur Ruhe. Diese Konzentration sollte nicht krampfhaft sein, sondern mit Leichtigkeit einhergehen, und dies geschieht, wenn wir uns während des konkreten Vorganges unseres Atems immer wieder bewusst sind:

„Mit der Einatmung spüre ich, wie ich das Messer in der Hand halte,
Mit der Ausatmung spüre ich, wie ich die Karotte schneide.“
Ich werde mir dann auch bewusst, dass diese Arbeit sinnvoll ist für uns alle, weil sich alle wohler fühlen, wenn sie ein sauberes Waschbecken vorfinden oder wenn das Gemüse in Stücke geschnitten ist für unser Essen.
Durch diese Konzentration auf die körperlichen Empfindungen während des konkreten Vorganges, der gerade stattfindet, entsteht Freude im Geist. Er wird offen und weich.
Unser Geist wird durch die Sammlung in den körperlichen Empfindungen aus seinen unendlichen Gedankenzügen herausgeholt und verweilt immer mehr im gegenwärtigen Augenblick.
Diese Gedanken sind häufig negativ, indem sie sich als Schuldbewusstsein in Bezug auf die Vergangenheit oder als Ängste und Sorgen in Bezug auf die Zukunft ausdrücken. Wenn der Geist wirklich in den körperlichen Empfindungen, im Spüren des Atems verankert ist, entspannen sich Körper und Geist immer mehr. (Wir könnten die Konzentration auch in Bezug auf das Hören, Riechen, Schmecken, Sehen praktizieren)
Diese Freude des konzentrierten Geistes nährt uns. Dadurch brauchen wir immer weniger von außen, um uns wohl zu fühlen; wir finden zu dem Frieden, der schon immer in uns ist zurück.
Alle Tätigkeiten, die wir achtsam ausführen, fangen an, uns immer mehr Freude zu machen. Unser Leben bekommt Frische, Lebendigkeit und Sinn, und wir werden wieder zu Kindern, die alles neu entdecken und erforschen.
Wir hören auf, in unserem Leben dauernd hinter etwas herzurennen, von dem wir denken, das bringt uns das Glück…
Wir hören auf, dauernd vor etwas auf der Flucht zu sein, was nicht so bequem und angenehm ist.
Wir erkennen und akzeptieren immer mehr die Vergänglichkeit aller Erscheinungsformen und leiden nicht mehr so sehr darunter, weil wir uns auch bewusst werden, wie viel Kostbarkeiten diese Vergänglichkeit uns bringt. Sie ermöglicht, dass aus dem Karottensamen große Karotten wachsen, die uns nähren. Sie ermöglicht, dass wir als Babys sprechen, krabbeln, stehen und gehen lernen und dann allmählich erwachsen werden und uns um uns selbst und andere Menschen kümmern können.
Einen bewussten Atemzug in seiner Vergänglichkeit zu spüren, wie er durch den ganzen Körper strömt und sich in allen Zellen niederlässt ist jetzt ein Wunder für uns, ein Luxus, den wir uns erlauben und den wir genießen.
Wir können dann sagen:

„Ich bin angekommen. Ich bin zuhause: Im Hier und im
Jetzt.
Ich bin fest, ich bin frei.“

Die Freiheit bezieht sich darauf, dass wir stabiler werden und uns nicht mehr so sehr in unseren Gefühlen verwickeln. Wir lernen immer mehr, unseren schwierigen Gefühlen, die uns und unsere Umgebung leiden lassen, mit Mitgefühl zu begegnen und sie dadurch umzuwandeln.
Und wir lernen immer mehr, unsere wunderbaren geistigen Haltungen, die in unserem Speicherbewusstsein ruhen, zu kultivieren. Damit öffnen wir unser Herz für uns selbst und für andere Wesen, und unser Leben und das unserer Umgebung wird gefestigter, liebevoller, freudvoller und erfüllter.

Achtsamkeit, Konzentration und tiefes Verstehen sind Bestandteile des Edlen Achtfachen Pfades, den der Buddha als den Weg heraus aus dem Leiden, als einen Weg zum Glück beschrieben hat.
Die fünf Übungen in der Ethik, die ein weiterer Bestandteil des 8-fachen Pfades sind, dienen dazu, unser Leben friedvoller zu gestalten.
Sie sind eine sehr praktische Übung im Nicht-Verletzen und in der Entwicklung von Güte und Mitgefühl gegenüber anderen Wesen, und diese Übung bringt uns selbst viel Stabilität und inneren und äußeren Frieden.
Andere fühlen sich wohl mit uns, weil sie sich durch unser Nicht-Verletzen – was den Körper betrifft, das Eigentum, die Rede, die Sexualität, das nicht Einnehmen von Substanzen, die unseren Geist verwirren – sicher und geborgen fühlen können.
Wenn sie mit unserer Geduld, Großzügigkeit und Herzensweite in Kontakt kommen, kann Freude in ihrem eigenen Herzen entstehen.
Die Übung des Nicht-Verletzens anderer Wesen drückt auch unsere Bewusstheit aus, dass wir kein abgetrenntes Selbst sind. Wir verstehen, dass wir alle voneinander abhängig und miteinander verwoben sind. Wir verstehen auch, dass wenn wir anderen schaden, sich dies auf irgendeine Art und Weise wieder negativ auf uns auswirken wird.