Biografie Annabelle Zinser

Annabelle Zinser

Annabelle Zinser, Jahrgang 1948

Ich wuchs in der Nachkriegszeit in einem Dorf in Schwaben mit meiner Mutter und noch zwei Geschwistern auf. Als ich anderthalb Jahre alt war, starb mein Vater bei einem Verkehrsunfall. In meiner Kindheit erlebte ich viel Geborgenheit in meiner Familie: mit meiner Mutter, den Geschwistern, Großeltern und einigen Tanten, Onkel und Cousin*en. In unserer Nachbarschaft gab es viele Kinder, mit denen wir in den Gärten und im Wald spielen konnten. Schon immer habe ich gerne gelesen, und meine Mutter hatte eine große Bibliothek, in der ich mich frei bedienen konnte.

Nach der Volksschule besuchte ich das Mädchengymnasium in Esslingen und ging nach dem Abitur zum Studium von Geschichte, Politik und spanischer Literatur an die Uni in München und wechselte dann an die Freie Universität Berlin, wo ich mein Staatsexamen in Geschichte und Politik ablegte. Danach arbeitete ich einige Jahre als Familienhelferin in sozialen Brennpunkt-Bezirken in Berlin, absolvierte noch eine Ausbildung in klassischer Massage und Yoga und war lange Jahre als Yoga- und Massage-Lehrerin in unterschiedlichen Institutionen und freien Gruppen tätig.

1979 fing ich an, mit Freunden/innen Yoga zu üben und begann 1980 meine Meditationspraxis – zuerst alleine nach der Lektüre eines Buches des japanischen Zen-Meisters Taisen Deshimaru.

1982 besuchte ich mein erstes „richtiges“ Meditationsseminar bei einer Freundin, Sylvia Wetzel im buddhistischen Tempel in Berlin-Frohnau und praktizierte mit ihr und Ann Mc Neill, einer Nonne aus der tibetisch-Buddhistischen Tradition.

1988 nahm ich das erste Mal an einem Vipassana-Meditations-Kurs bei Goenka während eines längeren Aufenthaltes in Indien teil, der mich tief berührte. Kurz darauf traf ich im „Waldhaus am Laacher See“ die deutsch-amerikanische Vipassana-Lehrerin Ruth Denison, die dann über lange Jahre hinweg meine Herzenslehrerin werden sollte.

Ruth Denison

Wann immer es mir möglich war, hielt ich mich in ihrem Zentrum Dhamma Dena in der südkalifornischen Mojave-Wüste auf. 1990/91verbrachte ich ein halbes Jahr und in den folgenden Jahren ein oder zwei Monate im Jahr in ihrem Zentrum oder begleitete sie auf ihren weltweiten Retreats als Assistentin. Mein inneres Leben erfuhr durch das nahe Zusammensein mit Ruth eine tiefe Wandlung. Von ihr bekam ich dann auch die Erlaubnis, das Dharma zu lehren.

In den 90 er Jahren fing ich an, das Dharma an unterschiedlichen Orten zu lehren, bei Achtsamkeitstagen bei mir zuhause im „Dharmaschlößchen“, im „Waldhaus am Laacher See“, im „Haus der Stille“ in Berlin, später im Meditationszentrum in Beatenberg und im „EIAB – Europäischen Institut für angewandten Buddhismus“ in Waldbröl und natürlich in der „Quelle des Mitgefühls“ in Berlin-Hermsdorf.

Thich Nhat Hanh

1992 begegnete ich das erste Mal dem vietnamesischen Zen-Meister Thich Nhat Hanh auf dem Europäischen Buddhistischen Kongress in Berlin. Seit dem Sommerretreat 2000 hielt ich mich regelmäßig in seinem Kloster „Plum Village“ in Frankreich auf. Meine Dharma-Praxis erfuhr durch seine Lehren, v.a. durch die Theorie und Praxis des Interseins und die Methoden der achtsamen, liebevollen Kommunikation eine große Bereicherung.

Schon durch meine Yoga-Übungen hatte ich die transformierende Kraft der Atembeobachtung erfahren: wie sich schwierige Gefühle beruhigen und umwandeln können. Die systematische buddhistische Geistes-Schulung der Achtsamkeit erschien mir deshalb auch ganz natürlich, und ich hatte großes Interesse und Freude an der grundlegenden Übung der Achtsamkeit wie sie der Buddha in der Satipatthana-Sutra beschrieben hat. Ich denke, die Sehnsucht nach innerem Frieden, die Sehnsucht nach der großen Schönheit der inneren Stille, die Sehnsucht nach liebevollen und doch freien Beziehungen mit meinen Mitmenschen haben mich zum Dharma geführt.

Sister Chan Khong

Seit 2002 habe ich mich beim Aufbau der „Quelle des Mitgefühls“, einem buddhistischen Übungszentrum in der Tradition der Dhyana-Schule von „Plum Village“ in Berlin-Hermsdorf engagiert. 2004 hat mir Thich Nhat Hanh die Leitung des Zentrums anvertraut.

Im Januar 2003 wurde ich Mitglied des Intersein-Ordens von Thich Nhat Hanh und bekam meinen Dharma-Namen: „Wahrer Duft der Achtsamkeitsübungen“. Im November 2004 wurde mir in „Plum Village“ von Thich Nhat Hanh die Dharma-Lampe übertragen, die mir erlaubt, in seiner Tradition zu lehren.

Im März 2007 erhielt ich in Bangkok zusammen mit 22 anderen Frauen bei den Vereinten Nationen den „Outstanding Women in Buddhism Award 2007“.

Im Herbst 2008 wurde von Thay das EIAB – European Institute of Applied Buddhism“ in Waldbröl gegründet, wo ich seit 2010 auch Meditationsretreats leite.

Von 1994 an traf ich mich regelmäßig mit anderen Dharmalehrerinnen (Sylvia Wetzel, Marie Mannschatz und zeitweise Sylvia Kolk) zum Austausch und zur Supervision über unterschiedliche Themen der Dharma-Theorie und Praxis in den „Buddhistischen Perspektiven“.
Aus dieser Gruppierung entstand 2001 die Buddhistische Akademie von Berlin-Brandenburg, die traditionsübergreifend ist und deren Kuratorium ich angehöre.

Sister Jina

Ich bin allen meinen Lehrerinnen und Lehrern unendlich dankbar, die mich durch die ganze Art und Weise ihres Seins und Lehrens auf meinem spirituellen Weg inspiriert haben. Dies ist meine Wurzellehrerin Ruth Denison, die burmesische Vipassana-Lehrerin Dr. Thynn Thynn, der vietnamesische Zen-Meister Thich Nhat Hanh, Sr. Jina, Sr. Chan Khong und viele Schwestern und Brüder aus dem Übungszentrum und Kloster von Thich Nhat Hanh „Plum Village“ in Frankreich.