{"id":52,"date":"2023-01-17T10:10:15","date_gmt":"2023-01-17T10:10:15","guid":{"rendered":"https:\/\/annabellezinser.de\/?page_id=52"},"modified":"2023-05-09T09:00:59","modified_gmt":"2023-05-09T09:00:59","slug":"gathas-von-annabelle","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/annabellezinser.de\/?page_id=52","title":{"rendered":"Gathas von Annabelle"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><strong>Gatha von Annabelle Zinser<\/strong><br \/>\n<strong>f\u00fcr Thich Nhat Hanh anl\u00e4sslich der \u00dcbertragung der Dharmalampe<a name=\"Gathas\"><\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><strong>Die Samen der Freude und des Gleichmuts w\u00e4ssern<\/strong><br \/>\nNach einem langen gesch\u00e4ftigen Tag<br \/>\ngehe ich mit meinem kleinen Hund<br \/>\nzu einem sp\u00e4ten Abendspaziergang hinaus<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mit jedem Schritt w\u00e4chst meine Zuversicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ich schaue hinauf zu dem dunkelblauen Himmel,<br \/>\nan dem die wei\u00dfen Wolken versuchen,<br \/>\nmit dem Vollmond Versteck zu spielen,<br \/>\naber der scheint einfach nur<br \/>\nund scheint<br \/>\nund scheint<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ich w\u00fcnsche mir, dass alle Wesen<br \/>\ndie Sch\u00f6nheit dieser Nacht genie\u00dfen k\u00f6nnen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\">\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><strong>Gatha von Thich Nhat Hanh bei der Verleihung<br \/>\nder Dharma-Lampe an Annabelle Zinser<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Durch die Freude der \u00dcbung, wenn mein Herz-Geist<br \/>\nkonzentriert ist,<br \/>\nz\u00fcnde ich das R\u00e4ucherst\u00e4bchen der Achtsamkeits-\u00dcbungen an.<br \/>\nAm alten Feuerplatz, brennt das Feuer<br \/>\nDer Klang der gro\u00dfen Glocke schickt seinen Klang,<br \/>\nwelcher der tr\u00e4umenden Welt hilft sich aufzul\u00f6sen.<br \/>\nMenschen aus allen Richtungen fangen an,<br \/>\nin die gleiche Richtung der Erleuchtung zu flie\u00dfen.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Andere Gathas von Annabelle Zinser<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Am fr\u00fchen Morgen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Fr\u00fch am Morgen spielen die Eichh\u00f6rnchen Fangen in den B\u00e4umen<br \/>\nEin kleiner Dackel steht auf der Wiese und bellt<br \/>\nEr h\u00f6rt fast nichts mehr, er sieht fast nichts mehr,<br \/>\naber er liebt seine eigene Stimme: Wau Wau, Wau Wau<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><strong>Die T\u00fcr aufschlie\u00dfen<br \/>\n<\/strong>W\u00e4hrend ich den Schl\u00fcssel<br \/>\nim T\u00fcrschloss umdrehe<br \/>\nW\u00fcnsche ich, dass alle Wesen,<br \/>\nheute sicher und besch\u00fctzt sein m\u00f6gen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Rauchschwaden ziehen in den weiten Himmel<\/strong><br \/>\nW\u00e4hrend ich dem Zug der Rauchschwaden<br \/>\naus dem Schornstein nachschaue<br \/>\nkommen alle meine Gedanken zur Ruhe<br \/>\nund l\u00f6sen sich in der unendlichen Weite meines Geistes auf<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Der Raureif <\/strong><br \/>\nDer Raureif umh\u00fcllt alle Gr\u00e4ser und Steine<br \/>\nmit einem leichten, wei\u00dfen Kleid<br \/>\nDer achtsame Geist taucht alle schwierigen Gedanken und Gef\u00fchle<br \/>\nIn den weiten Raum der reinen Beobachtung<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <strong>Die Kirchenglocken <\/strong><br \/>\nDie Kirchenglocken von gegen\u00fcber rufen schon wieder.<br \/>\nWohin k\u00f6nnen wir gehen?<br \/>\nIm reinen Land, wo die zehntausend Freuden und Schmerzen eins sind<br \/>\nGibt es immer ein Pl\u00e4tzchen f\u00fcr uns<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Beim B\u00fcgeln <\/strong><br \/>\nDas B\u00fcgeleisen gleitet anmutig \u00fcber die faltige Tischdecke<br \/>\nUnd bringt ihre Sch\u00f6nheit erst richtig zum Scheinen<br \/>\nEin Augenblick der Achtsamkeit und der Konzentration<br \/>\nGl\u00e4ttet alle unruhigen Wellen in meinem Geist<\/p>\n<p><strong>Die Sch\u00f6nheit des Busses, der den Platz umrundet<\/strong><\/p>\n<p>Ich sitze auf dem Sofa und sp\u00fcre meinen Atem.<br \/>\nDie Pl\u00e4ne f\u00fcr den kommenden Tag haben noch keine Wurzeln geschlagen:<br \/>\n\u201eEinatmend wei\u00df ich, dass ich einatme,<br \/>\nAusatmend sp\u00fcre ich das Leben um mich herum.\u201c<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich sehe ich wie der Bus in einem weiten Bogen<br \/>\nlangsam den Platz umrundet. Ich staune:<br \/>\n\u201eSo viel Sch\u00f6nheit, so viel Sch\u00f6nheit\u2026\u201c<br \/>\nUnendliche Stille breitet sich in all meinen Zellen aus.<\/p>\n<p>Einatmend bin ich mir der Kostbarkeit dieses Augenblicks bewusst,<br \/>\nAusatmend l\u00e4chle ich \u2026.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Am Computer <\/strong><br \/>\nMeine Finger gleiten m\u00fchelos \u00fcber die Tasten<br \/>\nIch freue mich \u00fcber einige unverhoffte Einf\u00e4lle.<br \/>\nPl\u00f6tzlich ert\u00f6nt der Ton der Achtsamkeitsglocke<br \/>\nKann ich diese Einatmung, diese Ausatmung wirklich sp\u00fcren<br \/>\nund mir meiner Freude bewusst sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Tierschutzzeitschriften lesen <\/strong><br \/>\nSp\u00e4t abends sitze ich an meinem Schreibtisch und lese in den<br \/>\nTierschutzzeitschriften.<br \/>\nIch denke, ich bin gerade stabil genug,<br \/>\num mit dem Leiden der Tiere in den Versuchslaboren und Tierfabriken<br \/>\nin Ber\u00fchrung zu kommen.<br \/>\nDann sehe ich das Gesicht dieses Schweines<br \/>\nund sp\u00fcre seine Angst und Verletzlichkeit<br \/>\nEine unglaubliche Welle der Z\u00e4rtlichkeit f\u00fcr alle leidenden Tierwesen<br \/>\ndurchflutet mein ganzes Sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Gassi gehen <\/strong><br \/>\nNat\u00fcrlich ist Maxi der netteste Dackel in der Schlossstrasse 13<br \/>\nWenn ich gehe, bleibt er stehen<br \/>\nWenn ich nicht gehe, will er gehen.<br \/>\nInteressiert schnuppert er an alten, gr\u00fcnstichigen Steinen und B\u00e4umen.<br \/>\nEin Wagen h\u00e4lt an,<br \/>\nschon bleibt er stehen<br \/>\nund wartet voller Neugier&#8230; wer da wohl aussteigt.<br \/>\nEntz\u00fcckt lasse ich ihn gew\u00e4hren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Heilen <\/strong><br \/>\nIch stehe im Laden.<br \/>\nDie Verk\u00e4uferin packt mit viel Sorgfalt ein Geschenk ein.<br \/>\nIch sp\u00fcre eine Welle der Ungeduld.<br \/>\nIch muss doch gleich noch dies und jenes &#8211; und das auch noch &#8211; erledigen.<br \/>\nPl\u00f6tzlich sehe ich meine Mutter:<br \/>\nWar sie nicht manchmal \u00e4rgerlich aus dem Laden gerannt?<br \/>\nIch l\u00e4chle ihr zu:<br \/>\n&#8222;Hallo Elschen, einatmend wei\u00df ich dass wir beide jetzt ungeduldig sind,<br \/>\nAusatmend l\u00e4chle ich uns beiden voller Z\u00e4rtlichkeit zu.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ertappt werden <\/strong><br \/>\nMeine Freundin ertappt mich:<br \/>\n&#8222;Du hast mir gerade gar nicht zugeh\u00f6rt!&#8220;<br \/>\nIch schaue sie an und l\u00e4chle ihr zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Der Duft des Flieders<\/strong><br \/>\nDer Fr\u00fchling lockt mich mit allen Schattierungen von Gr\u00fcn heraus.<br \/>\nzitronengr\u00fcn, moosgr\u00fcn, savannengr\u00fcn, olivgr\u00fcn&#8230;<br \/>\nDann ber\u00fchrt ein Schwall von Fliederduft meine Nase.<br \/>\nIch bleibe stehen und rieche&#8230;<br \/>\nLeise murmele ich vor mich hin: so viel Sch\u00f6nheit, so viel Sch\u00f6nheit,<br \/>\nkein Wunder, dass wir nicht sterben wollen&#8230;..<\/p>\n<p><strong>Gl\u00fcck im Sommer <\/strong><\/p>\n<p>Der Klang des Lachens ist noch immer klar in meiner Erinnerung.<br \/>\nDer Sommer ist gekommen und die Margueriten strahlen in der flirrenden Mittagshitze.<br \/>\nDie V\u00f6gel lassen ihre Lieder in der D\u00e4mmerung des Morgens erklingen.<br \/>\nRosen erf\u00fcllen mit ihrem Duft die Stille des Abends\u2026.<br \/>\nIch komme nachhause in diesem weiten Universum\u2026..<br \/>\n-Thay Giac Than- abgewandelt von Annabelle Zinser<\/p>\n<p><strong>Gl\u00fcck im Herbst <\/strong><br \/>\nDer Klang des Lachens ist noch immer klar in meiner Erinnerung.<br \/>\nDer Herbst ist gekommen und die bunten Bl\u00e4tter beginnen ihren Tanz zur Erde.<br \/>\nIch h\u00f6re wie die Regentropfen gegen mein Fenster prasseln.<br \/>\nDer Duft des feuchten Waldes erf\u00fcllt mein ganzes Sein.<br \/>\nIch komme nachhause in diesem weiten Universum<\/p>\n<p><strong>Gl\u00fcck im Winter<\/strong><\/p>\n<p>Der Klang des Lachens ist noch immer klar in meiner Erinnerung.<br \/>\nDer Winter ist gekommen und jemand schippt Schnee<br \/>\nund kratzt die vereisten Autofenster frei.<br \/>\nDas Mondlicht erwacht und die Schneeflocken tanzen langsam zur Erde.<br \/>\nIch komme nach Hause in diesem weiten Universum.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Gl\u00fcck im M\u00e4rz <\/strong><\/p>\n<p>Der Klang des Lachens ist noch immer klar in meiner Erinnerung.<br \/>\nDer M\u00e4rz ist gekommen, dicke Schneeflocken wirbeln noch durch die Luft.<br \/>\nBunte Krokusse finden ihren Weg durch den Schnee<br \/>\nund lassen sich von den ersten Sonnenstrahlen erw\u00e4rmen.<br \/>\nIch komme nachhause in diesem weiten Universum<\/p>\n<p><em>Vorbild f\u00fcr die Gathas \u00fcber das Gl\u00fcck ist ein Gedicht von Thay Giac Than<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gatha von Annabelle Zinser f\u00fcr Thich Nhat Hanh anl\u00e4sslich der \u00dcbertragung der Dharmalampe Die Samen der Freude und des Gleichmuts w\u00e4ssern Nach einem langen gesch\u00e4ftigen Tag gehe ich mit meinem kleinen Hund zu einem sp\u00e4ten Abendspaziergang hinaus Mit jedem Schritt w\u00e4chst meine Zuversicht. 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