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Lehre


Gathas von Annabelle Zinser
Die fünf Achtsamkeitsübungen
Der Friedensvertrag
Der Neuanfang


Die Übung der Achtsamkeit, der Konzentration und des tiefen Verstehens ist meine zentrale Übung
, die mir selbst viel Freude bringt und die ich Anderen gerne weitergeben möchte.

Einatmend weiß ich, dass ich einatme
Ausatmend weiß ich, dass ich ausatme.....
Bei dieser Übung fangen wir mit ganz einfachen Dingen an, die aber ständig geübt werden müssen, weil sich unser Geist normalerweise in seinen unendlichen Gedankenzügen verliert. Wir halten immer wieder inne und spüren unseren ganzen Körper, alle Empfindungen mit der ganzen Länge der Ein - und Ausatmung.
Beim Gemüseputzen in der Küche, beim Waschbecken putzen im Bad oder beim die Treppe hinaufgehen halten wir unseren Geist bei dem konkreten Vorgang, der gerade statt findet. Das bedeutet: Wir spüren wie wir das Messer halten, wie wir die Karotten schneiden, wir spüren wie wir mit dem Schwämmchen das Becken auswischen, wir spüren unsere Füße, während wir die Treppe hoch steigen......
Dies macht das Gemüseputzen, Becken auswischen, Treppe hochsteigen zu einer Meditation, denn wir sind jetzt mit vollem Bewusstsein dabei und werden immer genauer in unserem Gegenwärtig-Sein.
Wenn wir den Geist so bei dem konkreten körperlichen Vorgang von Augenblick zu Augenblick halten, fängt er an, sich darin zu sammeln, und die üblichen gedanklichen Aktivitäten kommen durch die Konzentration zur Ruhe. Diese Konzentration sollte nicht krampfhaft sein, sondern mit Leichtigkeit einhergehen, und dies geschieht, wenn wir uns während des konkreten Vorganges unseres Atems immer wieder bewusst sind:

"Mit der Einatmung spüre ich, wie ich das Messer in der Hand halte,
Mit der Ausatmung spüre ich, wie ich die Karotte schneide."
Ich werde mir dann auch bewusst, dass diese Arbeit sinnvoll ist für uns alle, weil sich alle wohler fühlen, wenn sie ein sauberes Waschbecken vorfinden oder wenn das Gemüse in Stücke geschnitten ist für unser Essen.
Durch diese Konzentration auf die körperlichen Empfindungen während des konkreten Vorganges, der gerade stattfindet, entsteht Freude im Geist. Er wird offen und weich.
Unser Geist wird durch die Sammlung in den körperlichen Empfindungen aus seinen unendlichen Gedankenzügen herausgeholt und verweilt immer mehr im gegenwärtigen Augenblick.
Diese Gedanken sind häufig negativ, indem sie sich als Schuldbewusstsein in Bezug auf die Vergangenheit oder als Ängste und Sorgen in Bezug auf die Zukunft ausdrücken. Wenn der Geist wirklich in den körperlichen Empfindungen, im Spüren des Atems verankert ist, entspannen sich Körper und Geist immer mehr. (Wir könnten die Konzentration auch in Bezug auf das Hören, Riechen, Schmecken, Sehen praktizieren)
Diese Freude des konzentrierten Geistes nährt uns. Dadurch brauchen wir immer weniger von außen, um uns wohl zu fühlen; wir finden zu dem Frieden, der schon immer in uns ist zurück.
Alle Tätigkeiten, die wir achtsam ausführen, fangen an, uns immer mehr Freude zu machen. Unser Leben bekommt Frische, Lebendigkeit und Sinn, und wir werden wieder zu Kindern, die alles neu entdecken und erforschen.
Wir hören auf, in unserem Leben dauernd hinter etwas herzurennen, von dem wir denken, das bringt uns das Glück...
Wir hören auf, dauernd vor etwas auf der Flucht zu sein, was nicht so bequem und angenehm ist.
Wir erkennen und akzeptieren immer mehr die Vergänglichkeit aller Erscheinungsformen und leiden nicht mehr so sehr darunter, weil wir uns auch bewusst werden, wie viel Kostbarkeiten diese Vergänglichkeit uns bringt. Sie ermöglicht, dass aus dem Karottensamen große Karotten wachsen, die uns nähren. Sie ermöglicht, dass wir als Babys sprechen, krabbeln, stehen und gehen lernen und dann allmählich erwachsen werden und uns um uns selbst und andere Menschen kümmern können.
Einen bewussten Atemzug in seiner Vergänglichkeit zu spüren, wie er durch den ganzen Körper strömt und sich in allen Zellen niederlässt ist jetzt ein Wunder für uns, ein Luxus, den wir uns erlauben und den wir genießen.
Wir können dann sagen:


"Ich bin angekommen. Ich bin zuhause: Im Hier und im
Jetzt.
Ich bin fest, ich bin frei."

Die Freiheit bezieht sich darauf, dass wir stabiler werden und uns nicht mehr so sehr in unseren Gefühlen verwickeln. Wir lernen immer mehr, unseren schwierigen Gefühlen, die uns und unsere Umgebung leiden lassen, mit Mitgefühl zu begegnen und sie dadurch umzuwandeln.
Und wir lernen immer mehr, unsere wunderbaren geistigen Haltungen, die in unserem Speicherbewusstsein ruhen, zu kultivieren. Damit öffnen wir unser Herz für uns selbst und für andere Wesen, und unser Leben und das unserer Umgebung wird gefestigter, liebevoller, freudvoller und erfüllter.

Achtsamkeit, Konzentration und tiefes Verstehen sind Bestandteile des Edlen Achtfachen Pfades, den der Buddha als den Weg heraus aus dem Leiden, als einen Weg zum Glück beschrieben hat.
Die fünf Übungen in der Ethik, die ein weiterer Bestandteil des 8-fachen Pfades sind, dienen dazu, unser Leben friedvoller zu gestalten.
Sie sind eine sehr praktische Übung im Nicht-Verletzen und in der Entwicklung von Güte und Mitgefühl gegenüber anderen Wesen, und diese Übung bringt uns selbst viel Stabilität und inneren und äußeren Frieden.
Andere fühlen sich wohl mit uns, weil sie sich durch unser Nicht-Verletzen - was den Körper betrifft, das Eigentum, die Rede, die Sexualität, das nicht Einnehmen von Substanzen, die unseren Geist verwirren - sicher und geborgen fühlen können.
Wenn sie mit unserer Geduld, Großzügigkeit und Herzensweite in Kontakt kommen, kann Freude in ihrem eigenen Herzen entstehen.
Die Übung des Nicht-Verletzens anderer Wesen drückt auch unsere Bewusstheit aus, dass wir kein abgetrenntes Selbst sind. Wir verstehen, dass wir alle voneinander abhängig und miteinander verwoben sind. Wir verstehen auch, dass wenn wir anderen schaden, sich dies auf irgendeine Art und Weise wieder negativ auf uns auswirken wird.


Gatha von Annabelle Zinser

für Thich Nhat Hanh anlässlich der Übertragung der Dharmalampe

Die Samen der Freude und des Gleichmuts wässern
Nach einem langen geschäftigen Tag
gehe ich mit meinem kleinen Hund
zu einem späten Abendspaziergang hinaus

Mit jedem Schritt wächst meine Zuversicht.

Ich schaue hinauf zu dem dunkelblauen Himmel,
an dem die weißen Wolken versuchen,
mit dem Vollmond Versteck zu spielen,
aber der scheint einfach nur
und scheint
und scheint

Ich wünsche mir, dass alle Wesen
die Schönheit dieser Nacht genießen können

 


Gatha von Thich Nhat Hanh bei der Verleihung
der Dharma-Lampe an Annabelle Zinser

Durch die Freude der Übung, wenn mein Herz-Geist
konzentriert ist,
zünde ich das Räucherstäbchen der Achtsamkeits-Übungen an.
Am alten Feuerplatz, brennt das Feuer
Der Klang der großen Glocke schickt seinen Klang,
welcher der träumenden Welt hilft sich aufzulösen.
Menschen aus allen Richtungen fangen an,
in die gleiche Richtung der Erleuchtung zu fließen.



Am frühen Morgen

Früh am Morgen spielen die Eichhörnchen Fangen in den Bäumen
Ein kleiner Dackel steht auf der Wiese und bellt
Er hört fast nichts mehr, er sieht fast nichts mehr,
aber er liebt seine eigene Stimme: Wau Wau, Wau Wau



Glück im Sommer

Der Klang des Lachens ist noch immer klar in meiner Erinnerung.
Der Sommer ist gekommen und die Margueriten strahlen in der flirrenden Mittagshitze.
Die Vögel lassen ihre Lieder in der Dämmerung des Morgens erklingen.
Rosen erfüllen mit ihrem Duft die Stille des Abends….
Ich komme nachhause in diesem weiten Universum…..
-Thay Giac Than- abgewandelt von Annabelle Zinser



Glück im Herbst
Der Klang des Lachens ist noch immer klar in meiner Erinnerung.
Der Herbst ist gekommen und die bunten Blätter beginnen ihren Tanz zur Erde.
Ich höre wie die Regentropfen gegen mein Fenster prasseln.
Der Duft des feuchten Waldes erfüllt mein ganzes Sein.
Ich komme nachhause in diesem weiten Universum


Glück im Winter

Der Klang des Lachens ist noch immer klar in meiner Erinnerung.
Der Winter ist gekommen und jemand schippt Schnee
und kratzt die vereisten Autofenster frei.
Das Mondlicht erwacht und die Schneeflocken tanzen langsam zur Erde.
Ich komme nach Hause in diesem weiten Universum.


Glück im März

Der Klang des Lachens ist noch immer klar in meiner Erinnerung.
Der März ist gekommen, dicke Schneeflocken wirbeln noch durch die Luft.
Bunte Krokusse finden ihren Weg durch den Schnee
und lassen sich von den ersten Sonnenstrahlen erwärmen.
Ich komme nachhause in diesem weiten Universum  

Vorbild für die Gathas über das Glück ist ein Gedicht von Thay Giac Than




Andere Gathas von Annabelle Zinser



Die Schönheit des Busses, der den Platz umrundet
Ein kalter Morgen im März:
Die Wiese ist noch mit Schnee bedeckt;
Nur von den Bäumen und Büschen
hat der Wind ihn gestern vertrieben.

Die Sonne strahlt mit voller Kraft,
und der Himmel zeigt sein schönstes Blau.
Ich sitze auf dem Sofa und spüre meinen Atem.
Die Pläne für den kommenden Tag haben noch keine Wurzeln geschlagen:
"Einatmend weiß ich, dass ich einatme,
Ausatmend spüre ich das Leben um mich herum."

Plötzlich sehe ich wie der Bus in einem weiten Bogen
langsam den Platz umrundet. Ich staune:
"So viel Schönheit, so viel Schönheit…"
Unendliche Stille breitet sich in allen meinen Zellen aus.

Einatmend bin ich mir der Kostbarkeit dieses Augenblicks bewusst,
Ausatmend lächle ich ….



Die Tür aufschließen
Während ich den Schlüssel
im Türschloss umdrehe
Wünsche ich, dass alle Wesen,
heute sicher und beschützt sein mögen



Rauchschwaden ziehen in den weiten Himmel
Während ich dem Zug der Rauchschwaden
aus dem Schornstein nachschaue
kommen alle meine Gedanken zur Ruhe
und lösen sich in der unendlichen Weite meines Geistes auf


Der Raureif

Der Raureif umhüllt alle Gräser und Steine
mit einem leichten, weißen Kleid
Der achtsame Geist taucht alle schwierigen Gedanken und Gefühle
In den weiten Raum der reinen Beobachtung


Die Kirchenglocken

Die Kirchenglocken von gegenüber rufen schon wieder.
Wohin können wir gehen?
Im reinen Land, wo die zehntausend Freuden und Schmerzen eins sind
Gibt es immer ein Plätzchen für uns


Beim Bügeln

Das Bügeleisen gleitet anmutig über die faltige Tischdecke
Und bringt ihre Schönheit erst richtig zum Scheinen
Ein Augenblick der Achtsamkeit und der Konzentration
Glättet alle unruhigen Wellen in meinem Geist


Am Computer

Meine Finger gleiten mühelos über die Tasten
Ich freue mich über einige unverhoffte Einfälle.
Plötzlich ertönt der Ton der Achtsamkeitsglocke
Kann ich diese Einatmung, diese Ausatmung wirklich spüren
und mir meiner Freude bewusst sein?



Tierschutzzeitschriften lesen
Spät abends sitze ich an meinem Schreibtisch und lese in den
Tierschutzzeitschriften.
Ich denke, ich bin gerade stabil genug,
um mit dem Leiden der Tiere in den Versuchslaboren und Tierfabriken
in Berührung zu kommen.
Dann sehe ich das Gesicht dieses Schweines
und spüre seine Angst und Verletzlichkeit
Eine unglaubliche Welle der Zärtlichkeit für alle leidenden Tierwesen
durchflutet mein ganzes Sein.


Gassi gehen

Natürlich ist Maxi der netteste Dackel in der Schlossstrasse 13
Wenn ich gehe, bleibt er stehen
Wenn ich nicht gehe, will er gehen.
Interessiert schnuppert er an alten, grünstichigen Steinen und Bäumen.
Ein Wagen hält an,
schon bleibt er stehen
und wartet voller Neugier... wer da wohl aussteigt.
Entzückt lasse ich ihn gewähren.


Heilen

Ich stehe im Laden.
Die Verkäuferin packt mit viel Sorgfalt ein Geschenk ein.
Ich spüre eine Welle der Ungeduld.
Ich muss doch gleich noch dies und jenes - und das auch noch - erledigen.
Plötzlich sehe ich meine Mutter:
War sie nicht manchmal ärgerlich aus dem Laden gerannt?
Ich lächle ihr zu:
"Hallo Elschen, einatmend weiß ich dass wir beide jetzt ungeduldig sind,
Ausatmend lächle ich uns beiden voller Zärtlichkeit zu."


Ertappt werden

Meine Freundin ertappt mich:
"Du hast mir gerade gar nicht zugehört!"
Ich schaue sie an und lächle ihr zu.


Der Duft des Flieders

Der Frühling lockt mich mit allen Schattierungen von Grün heraus.
zitronengrün, moosgrün, savannengrün, olivgrün...
Dann berührt ein Schwall von Fliederduft meine Nase.
Ich bleibe stehen und rieche...
Leise murmele ich vor mich hin: so viel Schönheit, so viel Schönheit,
kein Wunder, dass wir nicht sterben wollen..... 





Die Fünf Achtsamkeitsübungen

Die erste Achtsamkeitsübung:
Ehrfurcht vor dem Leben Im Bewusstsein des Leidens, das durch die Zerstörung von Leben entsteht, bin ich entschlossen, Mitgefühl und Einsicht in das "Intersein" zu entwickeln und Wege zu erlernen, das Leben von Menschen, Tieren, Pflanzen und unserer Erde zu schützen. Ich bin entschlossen, nicht zu töten, es nicht zuzulassen, dass andere töten, und keine Form des Tötens zu unterstützen, weder in der Welt noch in meinem Denken oder in meiner Lebensweise. Im Wissen, dass schädliche Handlungen aus Ärger, Angst, Gier und Intoleranz entstehen, die ihrerseits dualistischem und diskriminierendem Denken entspringen, werde ich mich in Unvoreingenommenheit und Nicht-Festhalten an Ansichten üben, um Gewalt, Fanatismus und Dogmatismus in mir selbst und in der Welt zu transformieren.

Die zweite Achtsamkeitsübung:
Wahres Glück Im Bewusstsein des Leidens, das durch Ausbeutung, soziale Ungerechtigkeit, Diebstahl und Unterdrückung entsteht, bin ich entschlossen, Großzügigkeit in meinem Denken, Reden und Handeln zu praktizieren. Ich bin entschlossen, nicht zu stehlen und nichts zu besitzen, was anderen zusteht. Ich werde meine Zeit, Energie und materiellen Mittel mit denen teilen, die sie brauchen. Ich werde mich in tiefem Schauen üben, um zu erkennen, dass das Glück und das Leiden anderer nicht getrennt sind von meinem Glück und meinem Leiden, dass wahres Glück nur möglich ist mit Verstehen und Mitgefühl und dass es viel Leiden und Verzweiflung bringen kann, hinter Reichtum, Ruhm, Macht und sinnlichem Vergnügen herzujagen. Ich bin mir bewusst, dass Glücklichsein von meiner geistigen Haltung und nicht von äußeren Umständen abhängig ist und dass ich glücklich im gegenwärtigen Augenblick leben kann, indem ich mich daran erinnere, dass ich bereits mehr als genug Bedingungen habe, um glücklich zu sein. Ich bin entschlossen, "Rechten Lebenserwerb" zu praktizieren, um so dazu beizutragen, das Leiden der Lebewesen auf dieser Erde zu verringern und den Prozess der globalen Erwärmung umzukehren.

Die dritte Achtsamkeitsübung:
Wahre Liebe Im Bewusstsein des Leidens, das durch sexuelles Fehlverhalten entsteht, bin ich entschlossen, Verantwortungsgefühl zu entwickeln und Wege zu erlernen, die Sicherheit und Integrität von Individuen, Paaren, Familien und der Gesellschaft zu schützen. Im Wissen, dass sexuelles Verlangen nicht Liebe ist und dass sexuelles Handeln, das durch Begierde motiviert ist, immer sowohl mir als auch anderen schadet, bin ich entschlossen keine sexuelle Beziehung einzugehen, ohne wahre Liebe und die Bereitschaft zu einer tiefen, langfristigen und verantwortlichen Bindung, von der meine Familie und meine Freunde wissen. Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen und um zu verhindern, dass Paare oder Familien durch sexuelles Fehlverhalten auseinanderbrechen. In dem Bewusstsein, dass Körper und Geist eins sind, bin ich entschlossen, geeignete Wege zu erlernen, um gut mit meiner sexuellen Energie umzugehen und die vier grundlegenden Elemente wahrer Liebe - liebevolle Güte, Mitgefühl, Freude und Unvoreingenommenheit - zu entwickeln, sodass mein eigenes Glück und das Glück von anderen wachsen kann. Indem wir wahre Liebe üben, werden wir auf sehr schöne Weise in die Zukunft fortbestehen.

Die vierte Achtsamkeitsübung:
Liebevolles Sprechen und tiefes Zuhören Im Bewusstsein des Leidens, das durch unachtsame Rede und aus der Unfähigkeit, anderen zuzuhören, entsteht, bin ich entschlossen, liebevolles Sprechen und mitfühlendes Zuhören zu üben, um Leiden zu lindern und Versöhnung und Frieden in mir und zwischen anderen Menschen, ethnischen und religiösen Gruppen und Nationen zu fördern. Im Wissen, dass Worte sowohl Glück als auch Leiden hervorrufen können, bin ich entschlossen, wahrhaftig zu sprechen und Worte zu gebrauchen, die Vertrauen, Freude und Hoffnung wecken. Wenn Ärger in mir aufsteigt, bin ich entschlossen, nicht zu sprechen. Ich werde achtsames Atmen und Gehen praktizieren, um meinen Ärger zu erkennen und tief in seine Wurzeln zu schauen, besonders in meine falschen Wahrnehmungen und mein fehlendes Verständnis für mein eigenes Leiden und das der anderen Person. Ich werde in einer Weise sprechen und zuhören, die mir und dem anderen helfen kann, Leiden zu transformieren und einen Weg aus schwierigen Situationen zu finden. Ich bin entschlossen, keine Nachrichten zu verbreiten, wenn ich nicht sicher bin, dass sie der Wahrheit entsprechen, und Äußerungen zu unterlassen, die Trennung oder Uneinigkeit verursachen können. Ich werde "Rechtes Bemühen" praktizieren, um meine Fähigkeit zu Liebe, Verstehen, Freude und Unvoreingenommenheit zu nähren und um allmählich Ärger, Gewalt und Angst, die tief in meinem Bewusstsein liegen, zu verwandeln.

Die fünfte Achtsamkeitsübung:
Nahrung und Heilung Im Bewusstsein des Leidens, das durch unachtsamen Konsum entsteht, bin ich entschlossen, auf körperliche und geistige Gesundheit für mich selbst, meine Familie und meine Gesellschaft zu achten, indem ich achtsames Essen, Trinken und Konsumieren praktiziere. Ich werde mich darin üben, tief zu schauen, um meinen Konsum und meinen Umgang mit den vier Arten von Nahrung - Essbarem, Sinneseindrücken, Willenskraft und Bewusstsein - zu erkennen. Ich bin entschlossen, weder Alkohol noch Drogen oder andere Dinge zu benutzen, die Gifte enthalten, wie z.B. bestimmte Internetseiten, Glücksspiele, elektronische Spiele, Fernsehsendungen, Filme, Zeitschriften, Bücher oder Gespräche. Ich werde mich darin üben, zum gegenwärtigen Augenblick zurückzukommen, um mit den erfrischenden, heilenden und nährenden Elementen in mir und um mich herum in Berührung zu sein. So lasse ich mich weder von Bedauern und Kummer in die Vergangenheit ziehen noch von Sorgen, Angst oder Begierden aus dem gegenwärtigen Augenblick bringen. Ich bin entschlossen, nicht zu versuchen, Einsamkeit, Angst oder anderes Leiden zu überdecken, indem ich mich im Konsum verliere. Ich werde das "Intersein" tief betrachten und auf eine Weise konsumieren, die Frieden, Freude und Wohlergehen sowohl in meinem Körper und Bewusstsein als auch im kollektiven Körper und Bewusstsein meiner Familie, meiner Gesellschaft und der ganzen Erde bewahrt.

 

Der Friedensvertrag

Damit wir lange und glücklich zusammenleben und stetig unsere Liebe und das Verständnis füreinander vertiefen und weiterentwickeln können, erklären wir uns bereit, folgendes zu beachten und zu tun:
Der Friedensvertrag ist eine wertvolle Übung, die die Kommunikation und das Zusammenleben mit unserer/m Partner/in, Freunden/innen oder der Familie in ganz konkreter Weise im Geiste von Harmonie aufrecht erhält. Es ist ein Vertrag, den beide Beteiligte im Beisein der Gemeinschaft oder Familie schriftlich abschließen. Dadurch wird die Übung verbindlicher und wir bekräftigen unsere Entschlossenheit, dass wir auch in der schwierigen Situation eines Konfliktes ernsthaft praktizieren wollen. Auch wenn eine Person, die mit uns in Konflikt geraten ist, diesen Vertrag nicht kennt, können wir ihn einseitig üben.

Für den Fall, dass ich verärgert bin, stimme ich folgendem zu:
1. Ich werde alles unterlassen sei es durch Worte, Gesten oder Taten was weiteren Schaden verursachen oder den Ärger eskalieren lassen könnte.
2. Ich werde meinen Ärger nicht unterdrücken.
3. Ich werde meinen Atem beachten und versuchen, zu meinem inneren Frieden zurückzukehren.
4. Ruhig und innerhalb von 24 Stunden werde ich der Person, die meinen Ärger ausgelöst hat, meinen Ärger und mein Leiden mündlich oder schriftlich mitteilen.
5. Ich werde bei der anderen Person mündlich oder schriftlich um ein Gespräch in einer Woche (z.B. Freitagabend) ersuchen, um den Vorfall ausführlicher zu besprechen.
6. Ich werde nicht sagen: "Ich bin nicht ärgerlich. Ich leide nicht. Es ist alles in Ordnung".
7. Ich nehme mit Zeit, in Ruhe und mit klarem Blick mein Leben im Alltag zu betrachten.
Insbesondere betrachte ich: lob ich selber ungeschickt oder nicht genügend achtsam war. lob ich durch meine Verhaltensweisen und durch in der Vergangenheit wurzelnde Gewohnheiten die andere Person verletzt habe. lwie meine innere Bereitschaft für Ärger die primäre Ursache meines Ärgers ist. lwie die andere Person ebenfalls leidet. lwie ihr Umgang mit ihrem Leiden meinen Ärger wachsen lässt. lwie die andere Person sich von der Last ihres Leidens zu erleichtern sucht. ldass ich nicht wirklich glücklich sein kann, solange die andere Person leidet.
8. Ich werde mich sofort entschuldigen, ohne bis zum vereinbarten Gespräch zu warten, wenn ich Ungeschicklichkeit und Unachtsamkeit bei mir bemerkt habe.
9. Ich werde das vereinbarte Gespräch verschieben, wenn ich mich nicht ruhig genug dafür fühle. Für den Fall, dass ich die andere Person ärgerlich gemacht habe, stimme ich folgendem zu:
1. Ich werde die Gefühle der anderen Person achten, sie nicht verspotten oder ins Lächerliche ziehen und ihr genügend Zeit geben, sich zu beruhigen.
2. Ich werde sie nicht zu einer sofortigen Diskussion drängen.
3. Ich werde die Anfrage der anderen Person bestätigen, sei es mündlich oder schriftlich, und ihr versichern, dass ich da sein werde.
4. Ich werde meinen Atem beachten und versuchen, zu meinem inneren Frieden zurückzukehren, um in Ruhe und mit klarem Blick folgendes zu betrachten: Ich habe die innere Bereitschaft für Unfreundlichkeit und Ärger, sowie Verhaltensmuster und Gewohnheiten, die die andere Person unglücklich machen. lMöglicherweise habe ich versucht, die Last meines eigenen Leidens leichter zu machen, indem ich der anderen Person Leid zufügte. lIndem ich der anderen Person Leid zufüge, füge ich mir selber Leiden zu.
5. Wenn ich Ungeschicklichkeit und Unachtsamkeit bei mir erkannt habe, werde ich mich sofort entschuldigen, ohne bis zum vereinbarten Gespräch zu warten und ohne den Versuch zu machen, mein Verhalten zu rechtfertigen.

Unterzeichnet am ....................................... in Anwesenheit von A:.................................................. B:........................................................

 


Der Neuanfang

Neuanfang bedeutet, tief und ehrlich in uns selbst, in unsere vergangenen Taten, Worte und Gedanken hineinzuschauen. Wir fangen in uns selbst und in unseren Beziehungen neu an. Wir praktizieren den Neuanfang, um unseren Geist zu reinigen und unsere Übung lebendig zu halten. Wenn in unseren Beziehungen zu Mitpraktizierenden ein Problem auftaucht und jemand ärgerlich oder verletzt ist, dann wissen wir, dass es Zeit für einen Neuanfang ist. Im Folgenden wird der 4-teilige Prozess des Neuanfangs beschrieben, wie er formal praktiziert wird. Solange eine Person an der Reihe ist, wird sie nicht unterbrochen. Während sie redet, übt die Mitpraktizierende tiefes Zuhören und folgen dabei ihrem Atem.

1) Blumen gießen - Wir leben mit einem uns eng verbundenen Menschen zusammen und teilen den Alltag. Doch wie oft teilen wir dem Anderen unsere Dankbarkeit mit, das was wir an ihm schätzen, was uns Freude gebracht hat? Jeder weiß, wie gut ein paar positive Worte tun können, doch so häufig werden sie in der Alltagsroutine vergessen. Hier ist nun die Gelegenheit, dem Anderen dieses mitzuteilen. Wir gießen seine Blumen, die sichtlich schnell aufblühen und wir wässern die Samen der positiven Qualitäten sowohl im Anderen als auch in uns selbst.

2) Unser Bedauern ausdrücken - Wir sprechen Fehler und Ungeschicklichkeiten in unserem Handeln, unseren Worten und Gedanken an und auch das, was wir nicht sagten oder taten, für das wir uns noch nicht entschuldigen konnten. Der Anderen wird deutlich, dass wir uns unserer Handlungen und ihrer Auswirkungen bewusst sind und uns bemühen, uns zu verändern.

3) Unsere Schwierigkeiten mit den Anderen Teilen - Von Zeit zu Zeit mögen wir Problemen begegnen, die uns für eine Weile sehr beschäftigen, seien es Schwierigkeiten aus der Vergangenheit, Sorgen und Anteilnahme am Leben eines uns nahestehenden Menschen, berufliche oder gesundheitliche Probleme... All dies kann dazu beitragen, dass wir nicht besonders glücklich aussehen, weniger ausgeglichen und unachtsam sind. Der oder die Andere können falsche Vorstellungen von uns entwickeln, sich mitschuldig fühlen. In dem wir uns öffnen und unsere Schwierigkeiten mitteilen, können wir sowohl zu besserem Verständnis beitragen, als auch konkrete Hilfe und Unterstützung geben.

4) Eine eigene Verletzung mitteilen - Wenn wir uns durch Worte oder Taten der Anderen verletzt fühlen, können wir uns hier in diesem ruhigen und sicheren Rahmen mitteile. Wir tun dies allerdings erst, nachdem wir nach der Verletzung wieder zur Ruhe gekommen sind. Bevor wir uns in Rahmen des Neuanfangs aussprechen ist es sehr wichtig, die Blumen der Anderen wenigstens zweimal zu gießen, um in uns selbst eine positive Haltung zu erzeugen und der Anderen zu zeigen, dass wir sie sehr schätzen. Wenn wir sprechen sind wir ruhig und wählen liebevolle Worte. Die Andere hört nur zu, ohne zu reagieren oder zu verurteilen, auch wenn das, was die Person sagt auf einer falschen Wahrnehmung beruht. Bei schwierigen Problemen können wir einen weiteren Zeitpunkt vereinbaren, an dem dann die Andere spricht. In der Zwischenzeit werden beide tiefer in sich schauen.

Die Praxis des Neuanfangs hilft uns, unsere liebevolle Rede und unser mitfühlendes Zuhören zu entwickeln und die positiven Elemente bei der anderen Person zu bemerken und wertzuschätzen. Wir könnten beispielsweise feststellen, dass die andere Person großzügig darin ist, ihre Einsichten mitzuteilen, oder wir bemerken, dass ein Dharma-freund Pflanzen liebt. Indem wir die guten Eigenschaften der Anderen erkennen, sind wir in der Lage auch unsere eigenen Qualitäten zu sehen. Neben diesen guten Seiten haben wir alle auch Schwächen, wie z.B. das Sprechen aus unserem Ärger heraus oder das Gefangensein in unseren Fehlwahrnehmungen. Wenn wir das "Blumen gießen" üben, unterstützen wir uns gegenseitig in der Entwicklung unserer guten Eigenschaften. Zur gleichen Zeit helfen wir, die schwierigen Seiten der anderen Person abzuschwächen. Wie in einem Garten entziehen wir dem Unkraut des Ärgers, der Eifersucht und der Fehlwahrnehmung die Energie. Wir können den Neuanfang jeden Tag üben, indem wir unsere Wertschätzung für unsere Mitpraktizierenden ausdrücken und uns auf der Stelle entschuldigen, wenn wir etwas tun oder sagen, das sie verletzt. Wenn wir es waren, die verletzt worden sind, können wir das anderen ebenso freundlich mitteilen. Die Gesundheit und das Glück der ganzen Gemeinschaft hängen von der Harmonie, dem Frieden und der Freude zwischen den einzelnen Menschen ab.



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